Die Hennigsdorfer Antifaschistische Initiative (HAI) gründete sich im Jahr 2005. Zu dieser Zeit schlossen sich die „Antirassismuslobby Hennigsdorf“ und die „AG gegen Rechts“ des A.S. Puschkin-Gymnasiums zusammen, um gemeinsam den faschistischen, antisemitischen und rassistischen Tendenzen in Hennigsdorf entgegenzuwirken. Seitdem gliederten sich weitere Einzelpersonen der Gruppe an.


Warum Antifaschismus in Hennigsdorf?

Seit der „deutschen Wiedervereinigung“ im Jahre 1990 erlebte die rechtsextreme Szene in Deutschland und insbesondere in den neuen Bundesländern eine neue Blütezeit. Die Neonazis organisieren sich dabei lose in den Schlägertruppen der „Freien Kameradschaften“, aber auch in Parteien wie der NPD und der DVU. Weiterhin etablierten sich zahlreiche Musikgruppen mit rassistischen Textinhalten und eigene Kleidungsmarken wie „CONSDAPLE“ oder „Thor Steinar“. Bis heute finden täglich zahlreiche verbale und körperliche Angriffe auf MigrantInnen, alternative Jugendliche, Homosexuelle und alle anderen Menschen statt, die nicht in das Weltbild der Nazis passen.

Brandenburgische Städte wie Hennigsdorf bilden da keine Ausnahme. Neonazis sind hier in Vereinen, auf Stadtfesten oder am Arbeitsplatz ein oftmals akzeptierter Teil des Stadtbildes. Der rechte Szeneladen „On The Streets“ in der Berliner Straße bildet dabei nicht nur einen beliebten Treffpunkt für Nazis aus Hennigsdorf, sondern aus ganz Brandenburg. So ist der Betreiber des Geschäfts, Alexander Gast, Sänger der Rechtsrockband „Spreegeschwader“ und ein vorbestrafter, bundesweit bekannter Neonazi. Verkauft werden neben Klamotten von einschlägigen Nazimarken und CDs von Nazibands auch Tonträger von linken und apolitischen Interpreten, um ein breiteres Klientel in den Laden zu locken.
Organisiert sind die Neonazis in Hennigsdorf auch unter dem Banner der „Hennigsdorfer AG“, die seit Anfang des Jahres 2008 versucht, mit Aufklebern auf sich aufmerksam zu machen.
Diese Zustände werden von uns nicht stillschweigend hingenommen. Wir setzen uns aktiv für eine Schließung des „On the Streets“ und für eine alternative Jugendkultur ein, in der die menschenverachtende Ideologie der Faschisten keinen Platz hat. In unserer Agitation wollen wir zudem Handlungsmöglichkeiten gegen Neonazis aufzeigen und somit ihren Einfluss auf die Bevölkerung verhindern.

Mehr als nur gegen Nazis

Antifaschismus hört nicht alleine beim Kampf gegen Nazis auf. Die rund 200 Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die derzeit in Hennigsdorf leben, müssen nicht nur Angst vor neonazistischen Übergriffen haben, sondern auch vor der Ausweisung aus der BRD haben. Die rassistische Migrationspolitik, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in der ganzen EU zur gängigen Praxis geworden ist, stellt eine konsequente Weiterführung der kapitalistischen Verwertungslogik dar. Es sollen demnach nur noch gut ausgebildete Fachkräfte ins Land gelassen werden, die auch für die deutsche Wirtschaft zu gebrauchen sind. Flüchtlinge, die aus Gründen wie Vertreibung, Krieg, politischer Verfolgung und Hungersnöten in die BRD kamen, sind zudem aufgrund des in vielen Regionen immer noch vorherrschenden Chipkartensystems und der Residenzpflicht permanenten Schikanen des Staates ausgesetzt. Diesem staatlichen Rassismus treten wir ebenso entgegen wie dem Terror der Neonazis.
Außerdem wenden wir uns aktiv gegen die Unterdrückungsmechanismen von Kapitalismus, Nationalismus, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie, die aus der Mitte der Gesellschaft entspringen und somit den Nährboden für faschistische Ideologien bereiten.


In eigener Sache

Die HAI ist kein eingetragener Verein mit einem Vorstand oder Mitgliedsbeiträgen. Wir begreifen uns als undogmatische und hierarchiefreie Gruppe, die basisdemokratisch Entscheidungen trifft und bewusst dezentral organisiert ist. Zudem versuchen wir unser Handeln selbstkritisch zu reflektieren, um so die Bildung ebenjener Dogmen und Hierarchien so gut es geht zu verhindern. Daher lehnen wir totalitäre Ideologien ebenso ab, wie eindimensionale Welterklärungsmodelle, die sich auf bloße Feindbild-Konstruktionen stützen.

Wir sind uns der Widersprüche des Kapitalismus ebenso bewusst, wie der Tatsache, dass wir ihnen ebenso unterworfen sind, wie alle anderen Menschen auch. Wir sehen es allerdings auch nicht als unsere Verpflichtung an, auf alle Fragen, die diese Widersprüche zwangsläufig aufwerfen, eine Antwort haben zu müssen. Viel wichtiger ist es, dass diese Fragen überhaupt gestellt werden, um so die Möglichkeit einer solidarischen und von Sachzwängen befreiten Gesellschaft aufrecht zu erhalten.